Heidelberg Marathon 2013

Das Wörtchen „Trail“ macht den Unterschied

 

 

Die Frage wie lang ein Marathonlauf ist, kann nahezu jedes Kind beantworten.

Zweiundvierzig Kilometer und einhundertfünfundneunzig Meter. Schnell kommt nun der Glaube auf, dass man alle Stecken so einfach miteinander vergleichen kann.

Dieser Gedanke kann aber schnell ins Auge, oder eher in die Beine, gehen,  wenn man das kleine Wörtchen „Trail“ und die entsprechenden Höhenmeter in der Ausschreibung übersieht, oder sie schlimmstenfalls einfach nicht ernst nehmen will.

 

Wir sprechen vom ersten GELITA Trail Marathon in Heidelberg bei dem  über 2.100 Teilnehmer angemeldet waren , davon ungefähr 1.000 auf der Königsdistanz über 42,195 Kilometer und 1.500 Höhenmeter.

Unter Ihnen waren auch fünf Läufer aus Pirmasens die das „Abenteuer“ Heidelberg dem flachen Frankfurt Marathon, der am gleichen Tag stattfand, vorgezogen haben.

Am Ende des Lauftages war die Meinung dann aber ein bisschen zwiespältig, ob die Wahl des Trails auch für jeden die Richtige war. „Schätze vier zu ein gegen mich“, schmunzelt Hans Pertsch, der im Vorfeld viele Läufer zu der Heidelberg Premiere ermutigt hatte.

 

Die Idylle des schönen Städtchens Heidelberg trug an diesem morgen. Und obwohl der angedrohte Regen ausblieb sollte es ein harter Tag für die Marathonläuferinnen und Läufer werden. „Wenn selbst die großen Bergläufer, wie der spätere Sieger Marco Sturm Zeiten von über 3 Stunden benötigen, wie lange kann dann mein eigener Lauf dauern“, beschäftige viele der Teilnehmer.

Die meisten lagen falsch in ihren Prognosen, denn spätestens beim Anstieg auf den Königstuhl schwanden zusehend die Kräfte. Ging es bei den ersten Anstiegen noch relativ lustig zu, hangelten sich nun wortkarge Menschen im Gehschritt den Berg hoch.

Die Krönung auf den Weg zum „Gipfel“ aber sollte die Himmelsleiter mit seinen 600 Natursteinstufen sein. Und es ist tatsächlich unglaublich, wie schwer es fallen kann, nach 35 gelaufenen Kilometern diese Stufen noch aufrecht hoch zu steigen. Hätte man an dieser Stelle noch Kraft und Muse, könnte man ein Buch über die Szenarien schreiben, die sich dort abspielen.

Jeder Berg hat ein Ende, auch der Königstuhl. Der Empfang am Gipfel ist eisig. Aus der SAP Arena hat man Schnee angekart, um den „Erschöpften“ doch noch ein Lächeln abzuringen. Aber nicht jedem gelingt es mehr. Von nun an geht’s bergab.

 

Hier erhält das Wort „Trail“ noch eine ganz  andere Bedeutung. Über Geröll und Wurzeln geht es zum Teil halsbrecherisch abwärts Richtung Schloss. Da die Beine schon ein bisschen wackelig sind, geht hier bei den Meisten Vernunft vor Schnelligkeit.

In Vorfreude auf die Erlösung  ist für die Beine das harte Kopfsteinpflaster des letzten Kilometers die reinste Wohltat. Geschafft, das Lächeln und die flotten Sprüche kommen langsam wieder zurück. Die Wehwehchen bleiben noch ein bisschen.

 

 

Hans Pertsch, 28.10.2013

    

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© Hans Pertsch