Paris anders erleben

Ein Blick ins  Googlearchiv bringt es an den Tag. Die französische Hauptstadt muss etwas  ganz besonderes sein. Denn 870 Millionen Einträge bringt nicht jede Stadt auf die Beine.

Einige davon haben auch meine Berichte vom Marathonlauf beigesteuert, aber heute möchte ich lieber über weniger schwere Spaziergänge und Ausflüge berichten.

Sie haben aber eines mit dem Marathon gemeinsam, sie sind nicht ganz alltäglich.

 

Meine geografische Nähe zur französischen Metropole macht es leicht mit dem eigenen Auto anzureisen, auch wenn es wirtschaftlich nicht vernünftig ist. Je nach Mut und fahrerischem Können  kann man das bereits  zu einem ersten Highlight aufwerten. Schon weit vor den Toren von Paris beginnt der Adrenalinspiegel gewaltig zu arbeiten. Der immer dichter werdende Verkehr bringt Geist und Konzentration in Schwung. Und spätestens am Arc de Triumphe wird man erkennen, dass es auch für Touristen keine Gnadenakte gibt. Gleich 12 Straßen münden hier ein, alle rechts vor links. Wer bremst oder blinkt hat schon verloren. Nach drei Umrundungen hat man die Sache im Griff. Den Arm lässig aus dem offenen Fenster hängend steuere ich nach dieses Erlebnis mein Hotel an.

 

 

Von nun an bleibt das Auto stehen. Zum Einkaufen oder auf Besichtigungstouren steig der clevere Tourist immer auf die Metro um. Mein Tipp, buchen Sie in Ihrem Reisebüro gleich die Karte „Paris Visite“ mit. Damit umgehen Sie lästiges Anstehen oder teueres Schwarzfahren.

 

Beim ersten Betreten einer Metrostation wird Ihnen alles verwirrend erscheinen. Aber die über 100 Jahre alte Untergrundbahn ist ein einfaches und gut ausgeklügeltes System aus wenigen übereinander liegenden Schächten. In unglaublich schneller Zeit durchquert man die ganze Stadt. An vielen interessanten Stellen wird aus der U-Bahn einfach eine S-Bahn und fährt  oberhalb der Erde. Da nahezu alle Sehenswürdigkeiten an der Metrostrecke liegen, können Sie so Ihre eigene, individuelle Stadtrundfahrt zusammenstellen.

In einer „Multikulti“ Stadt wie Paris ist die Metro der Sammelplatz aller Kulturen. Der gemeine Pariser versinkt nach dem Einsteigen meist in einem mitgebrachten Buch, der Fremde genießt den Augenschmaus der fremden Kleidung, Haartracht oder Hautfarbe.

Da nur wenige Männer „Shopper“ sind, könnte ich dieses Thema beinahe weglassen. Aber es gibt zwei Pariser Einkaufstätten, die auch mich immer wieder anziehen und unterschiedlicher nicht sein können.

 

Die Galeries Lafayette ist wahrscheinlich das bekannteste Kaufhaus auf europäischem Boden.

Alle bekannten Hersteller aus der Mode, Parfüm und Eau de Toilettebranche sind hier vertreten. Nur ein Bruchteil der Touristen wird mit vollen Einkaufstüten das Haus verlassen aber alle werden mit bleibenden Erinnerungen zuhause von diesem Modetempel erzählen.

In der Vorweihnachtszeit werden Teile der Schaufester in traumhafte Märchenlandschaften verwandelt. Auf Tribünen beobachten Oma und Enkel mit großen Augen das bunte und bewegte Treiben an dessen Verwirklichung  die  Designer des Kaufhauses über das ganze Jahr beschäftigt sind.

 

Ein echtes Kontrastprogramm dazu ist der berühmte Flohmarkt Marche d’Aligre. Nehmen Sie besser Ihre Familie an die Hand, damit sie Ihnen  im Getümmel nicht verloren geht. Sämtliche  Bevölkerungsschichten von  Paris treffen hier aufeinander. Alles ist auf diesem Markt zu bekommen. Hier ein Obststand, dort der letzte Modeschrei oder ein Stand weiter, ausgefallene Keramik aus aller Welt. Handeln ist erwünscht, wenn auch nicht immer ganz einfach.

 

Die Verständigung  ist leider ein wunder Punkt in der Geschichte zwischen Deutschen und Franzosen. Trotz aller Völkerverständigung finden wir sprachlich kaum zusammen.

Die weitverbreiteten Meinung, die Franzosen wollen kein Deutsch sprechen, ist nur die halbe Wahrheit. Wir Deutsche haben nämlich auch nur wenig Interesse der französischen Sprache näher zu kommen.

Ich wohne selbst nur 5 km von der (grünen) Grenze entfernt, liebe Frankreich, und tue mich trotzdem sehr schwer auch nur die einfachsten Sätze zu sprechen oder zu verstehen. So ringe ich schon seit Jahren  bei meinen Frankreichbesuchen mit Händen und Füßen um die nötige Verständigung.

 

Daher habe ich auch den Kampf mit den meisten Speisekarten aufgebeben. Selbst Wörterbücher stoßen hier an ihre Grenzen. Viele Gerichte haben Eigennamen oder sind mit Begriffen umgarnt die nicht zu deuten sind.

Das Frühstück ist noch problemlos. Bescheiden begnügt sich der Franzose mit Cafe und Croissants. 

Da der Franzose in der Regel ein Abendesser ist, werden zur Mittagszeit nur einfache und preiswerte „Touristenmenüs“ bzw. Baquette in den allen Variationen angeboten.

Beim Abendessen kann es dann schon eher zu Missverständnissen kommen. Ich lasse mich dann meistens  von einer Mischung aus Name, Preis und Gefühl leiten. Oder ich schaue meinen Nachbarn über die Schulter und bestelle per Fingerzeig. Das kann aber leicht ins Auge oder Portmanie gehen, da die Preise in den Pariser Lokalitäten sehr oft gesalzen sind. Und nur wer es sich leisten kann oder einfach einmal leisten will, sollte  dem Herzen von Paris , dem Champs Elysées , gastronomisch näher kommen.

 

Übrigens, die wohl einzige Gelegenheit ohne endloses Anstehen auf den Eifelturm zu kommen, ist der Weg über die Vorausbuchung eines Galamenüs in den Höhen des stählernen Riesen. Die einmalige Sicht lässt das mittelmäßigen Essen vergessen. Sie sollten es im Voraus im Reisebüro buchen denn spontane Besuche gehen nur über die ungeliebten Warteschlangen am Eingang.

 

Als echtes Ärgernis in Paris empfinde ich die Getränkepreise. Ein einfaches Glas Rotwein im Restaurant für  über 10 Euro ist unverschämt. Man könnte  fast den Eindruck gewinnen, dass der im eigenen Land im Überschuss produzierte Rebensaft, zum kostbaren Edelgetränk aufgewertet werden soll.

Übrigens Paris hat eigene Weinberge. Einen davon kann man im  Parc de Bercy  besichtigen.

 

Trotz aller Dopingskandale ! Wer Ausnahmesituationen liebt, sollte sich die  Zieleinfahrt der Tour de France live anschauen. Eine Stadt steht Kopf, der Verkehrfluss in und um Paris kommt teilweise völlig zum Erliegen. Obwohl inzwischen einige Bereiche an der Strecke kostenpflichtig sind, ist die Tour de France wie auch der Marathon für die Zuschauer eine kostenlose Veranstaltung.

Ein Novum, das man es in Deutschland nicht kennt, ist das Stade de France. In dem Nationalstadion von Paris werden nur Fußball und  Rugbyländerspiele ausgetragen. Vereinsmannschaften dürfen hier nur bei nationalen Endspielen antreten. In den Sommermonaten wird es für große Openairkonzerte genutzt.

 

 

In der französischen Hauptstadt gehen die Lichter niemals aus. Im Gegenteil. Mit Einbruch der Dunkelheit  erlebt man eine ganz neues Paris. Atemberaubend ist der Blick vom Place de Concorde in Richtung Triumpfbogen. Frankreichs berühmtester Boulevard, die Champs Élysses. Das riesige Lichtermeer lässt den Betrachter für Momente erstarren. Der Eifelturm und alle bedeutenden Bauwerke sind tageshell erleuchtet. Entlang der Seine buhlen unzählige Flussschiffe um die Gunst der Touristen für eine Lichterfahrt. Eine Mitfahrt ist Geschmack und Gefühlsache. Manche Kähne sind so gefüllt, dass sie Viehtransportern gleichen.

 

Ein nächtlicher Besuch auf dem Montmartre ist für mich Pflichtprogramm. Obwohl das Pariser Künstlerviertel inzwischen ein touristisches Mekka geworden ist, blieb die Anziehungskraft ungebrochen. Porträtmaler,  Künstler, Musiker und Bauchladenhändler bessern hier ihre Kassen auf oder finanzieren Teile ihres Studiums.

Ein paar Häuserblocks weiter zwischen der Mühle des Moulin Rouge und der Pigalle findet das „berüchtigte“ Pariser Nachtleben statt. Die Grenzen zwischen teuer und Nepp sind  fließend. Alternativ dazu die Großdiskothek Loge gleich um die Ecke. Auf 2500 qm Tanzfläche erleben Sie ein ganz neues Parisgefühl.  

 

Der letzte Schrei der Fortbewegung in Paris ist das Fahrrad oder der Motorroller. So spaßig das klingen mag, es ist äußerst gefährlich. Während man in Deutschland durch die Straßenverkehrsordnung zumindest  auf dem Papier höchste Rechte genießt, ist man auf den Straßen von Paris „Freiwild“. Ähnlich geht es der Zunft der Läufer. Jenseits der großen Parks ist auch für sie höchste Vorsicht geboten. Auch ihre Knautschzone ist den quirligen französischen PKW´s  hoffnungslos unterlegen.

 

Paris war über Jahrzehnte auch die Stadt der Kinos. Rund um die Champs Elysées befinden sich die bekanntesten Kinopaläste der Stadt. Werfen Sie einfach mal einen Blick in ihr Inneres. Es ist traumhaft. Leider sind viele der 400 Pariser Kinos genau wie in Deutschland von der Schließung bedroht. Gerade in den Toplagen lauern Schnellrestaurants  und Co. auf das Ende der Leinwandillusionisten.

 

Wo wohnt man in Paris?

Für eine Weltstadt ist das Preisniveau dank einer großen Anzahl von Hotels gut.

Einfache Übernachtungsmöglichkeiten in der ** Sterne Klasse gibt es im Reisebüro je nach Saison ab EUR 70.00 pro Zimmer.  *** Sterne ab EUR 90.00 pro Zimmer

Entgegen vieler Internetangebote ist im Reisebüro beinahe immer das Frühstück inklusive.

Obwohl in Frankreich das Frühstück oft recht spärlich ausfällt, ist der Preis dafür vielerorts überteuert. Grundsätzlich sollten Sie bei Hotels im 2 oder 3 Sterne Bereich  beim Frühstück Abstriche machen. Der Franzose kennt kein üppiges Frühstück, Baguette und Marmelade sind Standard. Ein  Frühstücksbuffet  findet man daher in der Regel nur in hochklassigen Hotels.

 

Jetzt kann man sicher fragen, warum noch mit keiner  Silbe die großen Sehenswürdigkeiten, Museen und Theater erwähnt wurden.

Selbstverständlich gehört Notre-Dame, der Louvre, das Quatier Latin, das Centre Georges Pompidou oder die Opera Garnier neben dem Eifelturm und dem Arc de Triompfe zu den Pflichtstops bei jeder Stadtrundfahrt.

 

In dieser Stadt muss man Prioritäten setzten. Man kann nicht alles in kürzester Zeit erleben.

Planen Sie lieber einen Zusatztrip wenn Ihnen die Zeit Ihres Besuches nicht ausreicht.

Ein übergroßes Programm nimmt den Spaß an dieser großartigen Stadt. Erleben Sie die Stadt mit offenen Augen, genießen Sie den Charme der Menschen und bewundern Sie deren lockere Lebensart.

 

Hans Pertsch 2007/2010/2014

Aus Erfahrungen von vielen Besuchen in der Französischen Hauptstadt

 

 

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