Sonnenaufgang im November

Sonnenaufgang im November                                                     

 

Gerade habe ich irgendwo gehört, dass Menschen mit winterlicher Schwermut gerade mal bis zum 22. Dezember leiden müssen, bis die Tage wieder langsam länger werden. Aber reichen da die Lebkuchen und Pfeffernüsse aus die überall in Unmengen lauern, um uns heil über die Zeit zu bringen. Spätestens wenn die Ringe um die Hüften sichtbar wachsen, stellen wir fest, dass die Trostpflaster keine wirklichen Heilbringer waren.

 

Wie mag es zur Zeit nur Menschen gehen die auch bei gutem Wetter unter Schwermut leiden. Glücklicherweise gehöre ich zu den Personen, die nicht nur ein dickes Fell haben, sondern auch hinter grauem Himmel noch Sonnenstrahlen entdecken. Doch manchmal stoßen auch positiv denkende Menschen an ihre Grenzen. Es sind ja nicht nur die tief hängenden Wolken die aufs Gemüt drücken, es ist das Gesamtpaket des nahenden Winters auf das sich der Mensch nicht so richtig einstellen kann. Die Tageszeitung liegt eiskalt im Briefkasten und der Rollladen quietscht wieder, wie in jedem Winter. Im Kleiderschrank liegen die ungeliebten warmen Sachen wieder ganz vorne und die Frontscheibe des Autos schreit bereits schon wieder nach dem Eiskratzer.

 

Eigentlich habe ich jede Menge Arbeit auf dem Schreibtisch liegen. Aber leider ist nichts davon wirklich so dringend, dass ich mich sofort damit beschäftigen müsste.

Und auch der Garten ruft nicht ernsthaft nach mir. Meine Frau ist heute mittag nicht zuhause, und ich könnte mich nach Herzenslust in allen Räumen austoben. Aber ich sitze auf der Couch und sinniere vor mich hin. Wie wäre es denn jetzt mit einer Belohnung schießt es mir durch den Kopf. Da entpuppte sich eine gerade eingehende Mail als absoluter Glückstreffer. Die dortige Frage „sind Sie schon einmal den Hamburg Marathon gelaufen“, hellt meine Stimmung auf, als hätte ich eben den tollsten Sonnenaufgang des Jahres erlebt. Meine Frau wird sich freuen.

 

November 2017 

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© Hans Pertsch