Die letzte Nacht

Die letzte Nacht

 

Wissen sie, was Menschen versäumen, die sich abends einfach ins Bett legen, einmal umdrehen und nicht vor acht Uhr am Morgen aufwachen? Sie kennen nicht die bizarren Geräusche, das Licht und die Schatten, die die Dunkelheit abgibt.

Für Nachteulen ist es nichts besonderes, wenn Fritz, der liebestolle Kater um zwei Uhr in der Frühe mitten auf der Straße lautstark seine Angebeteten zusammenruft, und dabei die spätheimkehrenden Autofahrer zu Bremsmanövern zwingt. Danach einschlafen lohnt sich aber nicht. Denn in wenigen Minuten wird der Bäcker von Hausnummer 133 ins Auto steigen und mit kräftigem Aufheulen des Motors, dem Rest der Straße einen schönen Morgen wünschen.

 

Wenn jetzt nichts außergewöhnlichen passiert wäre die beste Gelegenheit ein kleines Nickerchen zu machen. Denn es ist Winter, und da hat der Hahn aus der Nachbarschaft noch keine Lust der Ortsgemeinschaft zu verkünden, wer der Herr im Hause ist. Und auch der Marder, der seit Stunden alle möglichen Bewegungsmelder abläuft, hat sich inzwischen zum schlafen in den Motorraum eines Autos zurückgezogen. Die Schritte, die gegen vier Uhr auf das Haus zukommen, sind gleichermaßen vertraut wie auch willkommen. Ein leises Geräusch am Briefkasten sagt, die Tageszeitung ist da. Aber die Wärme unter der Bettdecke siegt wie so oft im Winter gegen den Drang nach Wissen. Wie ein Orkan bricht eine gute Stunde später der Lärm der Müllabfuhr herein. Dick verpackt aber gut gelaunt schieben die Männer scheinbar mühelos die schweren Eimer über die noch nicht vom Schnee geräumte Straße.

Mit großem Respekt verfolge ich durch den Schlitz der Jalousie ihre Arbeit. Ebenso bemerkenswert die Taten eines Nachbars, der ein paar Häuser entfernt wohnt. Weder Uhrzeit, noch Schnee und Kälte haben ihn aufhalten können, seinen Mülleimer umgehend wieder in wärmere Gefilde zurück zu stellen. Danke für die spannende Nacht und einen wunderschönen, guten morgen.

 

Hans Pertsch Januar 2020

 

 

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