Alt werden

Alt werden

 

Heute morgen in meinem Lieblingscafe. Sechs Personen, fünf Stühle. Aus jeder Ecke ruft mir jemand zu „setz du dich“. Nein ich will das nicht. Schon lange steige ich in keinen gut gefüllten Linienbus mehr ein. Die Gefahr wird immer größer das auch dort jemand aufspringt und mich an mein Alter erinnert. Denn langsam komme ich in eine Zone, in dem alles möglich ist. Mit einem Lächeln begegne ich Freunden die mir erzählen, dass auch meine flotte Zeit nicht ewig halten werde. Ich hetze Treppen hoch wie ein Jüngling und fahre auffallend laut und mit offenem Fenster durch die Straßen der Stadt. Und ich hoffe immer wieder, dass das Lächeln meines Gegenübers aus Sympathie und nicht aus Mitleid erfolgt.

 

Ich ahne, es sind die ersten schlechten Vorboten des Alters, dass man bei Familienfesten an der Kopfseite platz nehmen darf und beim Autokauf auf die Vorzüge von höheren Sitzen hingewiesen wird.

 

Ehrlich gesagt, manches ist sowie so nur noch Makulatur. Bereits das morgendliche Aufstehen ist oft schon ein grauenvoller Vorgang. Der Rücken schmerzt und der Gang ist schleppend. Die matten Augen fürchten das Tageslicht und der Kampf gegen die Pfunde wird immer aussichtsloser.

Meine Kumpels nennen mich einen Realitätsverweigerer und wollen nicht begreifen, dass am Älterwerden nirgendwo etwas Positives zu finden ist.

 

Hans Pertsch Juli 2017

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Hans Pertsch