Mit Bleistift und Foto

Wie es das Schicksal manchesmal will kam es im Dezember 2015 zu einem Zusammentreffen mit dem Chefredakeur der hießigen Zeitung. Schnell war man sich einig, dass Hans Pertsch eigentlich zu wenig ausgelastet und außerdem  noch viel zu jung und zu fit ist, um im Ruhestand zu leben.

So ist Hans Pertsch wieder in das Metier zurückgekehrt, in dem er bereits über viele Jahre seines Lebens nebenberuflich unterwegs war. Als Pressefotograf und Geschichtenerzähler. 

                                                      Läufervorteil

 

Manches mal möchte ich mitten im Wald stehen bleiben,  um meine Gedanken aufs Papier zu bekommen.  Nirgendwo anders fliegen mir genialste Ideen zu, wie draußen in der freien Natur.
Oft ist es ein schönes Gefühl in einer Gruppe von Gleichgesinnten unterwegs zu sein.  Man lacht und scherzt und die Zeit vergeht nebenbei noch wie im Fluge.
Aber die wirklich wichtigen und entscheidenden  Momente des Laufens sind für mich die Zeiten der Ruhe und des alleine unterwegs seins.
Das rauschen der Blätter im Wind oder das plätschern eines Wasserfalles fordern mich quasi heraus, einen Dialog oder Zwiegespräche mit mir selbst zu führen.
Ich formuliere geistig Sätze, die ich so nie auf einen Bildschirm bringen würde.
Dabei spielt die Laufgeschwingkeit eine untergeordnete Rolle.  Hauptsache man ist in Bewegung.  Nicht selten kommt es dabei vor,  dass ich vom ursprünglich geplanten Weg völlig abkomme und irgendwo in fremden Gefilden lande.

Immer wieder ist zu lesen, dass Menschen, gerade in gehobenen Positionen, das Laufen nicht als Sport, sondern als Denkmotor und Entscheidungsfinder ansehen. Wissenschaftler der Uni Ulm haben nachgewiesen, dass bestimmte geistige Leistungen vom Laufsport profitieren.

Nicht zuletzt ist hier auch die erhöhte Sauerstoffzunahme in der freien Natur zuständig.
Wohl nicht wahrscheinlich ist jedoch die Hoffnung,  dass man als Vielläufer gänzlich ums lernen herumkommt.
Hans Pertsch April 2016

 

Pertschfoto Pirmasens glänzt

                                                      Siegerfoto des Landes Rheinland Pfalz 2013 anlässlich des Rheinland Pfalztages

Damals in Amerika

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                                     Mit flauem Gefühl über riesige Orangenplantagen 

                  Hans Pertsch über seinen Erstflug im Para-Planing • Arizona aus der  Vogelperspektive

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Damals in Amerika

.Man schrieb das Jahr 1891. Ein gewisser Otto Lilienthal, der von seiner Umwelt als Verrückter bezeichnet wurde, erfüllte sich einen uralten Menschheitstraum. Mit seinem selbstgebauten Gleitflugzeug setzte er zum Erstflug an und gab damit Richtlinien in der Aerodynamik, die bis zum heutigen Tag Bestand haben.

Ja, der alte Traum der Menschen, einfach in die Luft zugehen, wie ein Vogel zu schweben, die Gesetze der Erdanziehung zu umgehen, dieser Wunsch ist geblieben. Ich wollte aber nicht länger träumen, ich wollte endlich selbst einmal in die Luft gehen. Was lag also näher, wie sich Weltenbummler Joachim Reinhardt an- zuschließen, dessen Reisebüro seit geraumer Zeit die USA-Sensation Para- Planing anbietet. Geflogen wird im US- Staat Arizona. dort also, wo der Winter ein Sommer ist. Para-Planing ist eine Kombination zwischen Fallschirm und Fluggerät. Aber was soll ich Ihnen viel erzählen. Fliegen Sie doch einfach bei meinem Erstflug mit:

Der Thermometer im sonnigen Arizona steht auf über 25 Grad. Ein flaues Windchen zeigt an, dass heute ideales Flugwetter ist. Ebenfalls flau ist das Gefühl, das im Moment durch meinen Magen geht. In wenigen Minuten soll ich dort oben sein, dort, wo angeblich die grenzenlose Freiheit ist. Mike, unser Fluglehrer, kennt wohl alle meine Gedanken. Vor wenigen Stunden habe ich die Theorie studiert, Filme gesehen, Fragebogen ausgefüllt, aber nun soll es wirklich ernst werden. Ich höre seine Anweisungen, versuche sie mir einzuprägen, aber meine Gedanken sind woanders, nämlich einige 100 Meter über mir. Seine Frage ,,Alles klar" beantworte ich mit einem resolutem Kopfnicken. Während ich mir den Sicherheitsgurt umstreife, höre ich neben mir jede Menge aufmunternde Sprüche meiner Flugkollegen. die alle „meinen Tag" schon hinter sich haben.

..Können wir starten," höre ich über den Kopfhörer. Mike's Stimme wird in den nächsten Minuten das einzige sein, was ich außer meinem Herzschlag hören werde. Beim Aufheulen des zweiten Motors wird mir klar, dass es nun kein zurück mehr gibt. ..Langsam Gas gehen, mehr, mehr, dann Vollgas, nur noch Vollgas", rauscht es durch das Funkgerät. Dann ist es soweit. Nach 30 Metern spüre ich, wie sich der Boden unter mir entfernt. Erst ein Meter, dann zehn, dann fünfzig, es ist ein unbeschreibliches Gefühl, die Welt von oben zu sehen. „Alles klar" fragt mich mein Fluglehrer von unten. „Alles klar!" antwortete ich zurück, halb glücklich, halb ängstlich. So, nun die erste Linkskurve, noch eine Linkskurve, dann eine Rechtskurve, inzwischen fliege ich mit reduzierter Geschwindigkeit in 100 Metern Höhe über die weiten Felder Arizonas. Langsam beruhigt sich mein Pulsschlag, die Nervosität geht in die Freude über.

..Wem ist es schon gegönnt". frage ich mich, „die Welt aus dieser Perspektive zu sehen.“ Mike reißt mich aus meinen Träumen: „Dreh noch ein paar Runden, dann landen wir". Ich fliege über Orangenplantagen, vorbei an einsamen Ranchen, durch die riesigen Weiten des Wüstenstaates. Die Welt aus der Vogelperspektive, eine neue, faszinierende Welt. „Hans, wir gehen runter" höre ich Mike's Kommando über den Kopfhörer. In einer langen Schleife sinke ich dem Erdhoden, den ich so liebe, entgegen. Jetzt geht es ganz schnell, rasend kommt die Erde auf mich zu. Ein kleiner Schlag, Motor aus, Fallschirm anziehen, Stillstand. Klasse Hans. Herzlichen Glückwunsch", sind Mike's letzte Worte über Funk.

Freudestrahlend beglückwünschen mich sämtliche Flugkollegen zum erfolgreichen Erstflug. Jetzt bin ich einer von ihnen. Zur gleichen Zeit macht sich der Rodalber Architekt Dieter Mannik bereit, um seinem Erstflug zu starten. Keiner kann wohl besser nachempfinden wie ich, was nun in ihm vorgeht. Als auch sein Flug mit gelungener Landung zu Ende ging da huscht ein Lächeln durch Veranstalter Joachim Reinhardt's Gesicht. Die Region Pirmasens hat nun zwei neue Para- Planingflieger mehr.

Bericht im Blickpunkt Pirmasens Februar 1989

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© Hans Pertsch